Sunday, 20 April 2008

Laufen macht schlau und verbessert Stimmung

Ulm (dpa) - Wer die Turnschuhe schnürt und joggt, trainiert auch sein Gehirn und verbessert zudem seine Stimmung. Zu diesem Ergebnis sind Forscher der Universitätsklinik Ulm bei einer Studie mit knapp 80 Probanden gekommen.
«Wir konnten jetzt zum ersten Mal zeigen, dass ganz bestimmte geistige Leistungen direkt vom Sport profitieren», erklärte Manfred Spitzer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Physiotherapie der Hochschule. Und er ist überzeugt: «Sport macht das Gehirn effektiver.» Die Untersuchungen hätten belegt, dass durch Joggen, Turnen oder Radfahren Reize schneller und effektiver verarbeitet würden, betonte auch Studienleiter Ralf Reinhardt am Freitag.

Für das «Gehirnjogging» ist laut Studie allerdings kein ausuferndes Marathontraining notwendig: Schon sechs Wochen intensives Lauftraining zeigten der Pilotstudie zufolge bereits deutliche Verbesserungen vor allem in den Bereichen «visuell-räumliches Gedächtnis», «positive Stimmung» und «Konzentrationsfähigkeit». Die anschließende Hauptstudie sei um psychologische Tests, Hirnmessungen sowie genetische und molekularbiologische Aspekte erweitert und auf ein 17 Wochen langes Trainingsprogramm von mehreren Gruppen ausgedehnt worden.

Demnach verbesserte die Sportgruppe der Probanden ihr räumliches Vorstellungsvermögen deutlich, teilten die Forscher mit. Außerdem gleiche der Sport genetisch bedingte Nachteile beim Abbau des Dopamin-Spiegels aus, erklärten die Autoren der Studie. Der Dopaminwert ist für die Leistungsfähigkeit des Gehirns wichtig. «Fittere Probanden zeigen zudem eine schnellere und effizientere Reizverarbeitung», sagte Reinhardt. Er betonte, Talent und körperliche Verfassung hätten keinen größeren Einfluss auf die Ergebnisse der Studie: «Wir haben nicht die absolute Leistung gemessen, sondern individuelle Ergebnisse, die den Bedingungen eines jeden Testteilnehmers angepasst sind.»

Damit sich Leistungssportler nicht zu früh freuen, schränkt der Experte ein: «Das Potenzial des Gehirns lässt sich durch Ausdauertraining steigern, aber nur Laufen reicht auch nicht.» Am Lernen führe kein Weg vorbei. Offen ist nach Reinhardts Worten nach wie vor, welche Sportart und welche Trainingsdauer dem Geist besonders gut tun. Die Wissenschaftler forderten allerdings Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen für die Schulpolitik und die Stundenpläne: «Reduzierte oder gar ausfallende Sportstunden sind hier der falsche Ansatz», kritisierten sie.

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